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Presse
Wiedertäufer-Show:
Jacko trifft Jan
Münster - Hätte Michael Jackson an dieser "Show" seine
Freude gehabt? Genau ein Jahr nach seinem Tod war
der King of Pop gestern Nachmittag Teil
einer ungewöhnlichen Inszenierung auf dem Lambertikirchplatz -
gemeinsam mit dem "König von Münster",
Jan van Leiden, und seinen Wiedertäufern.

160 Schüler des Hiltruper Kardinal-von-Galen-Gymnasiums,
viele weitere Helfer und ein Ensemble weißer, lebensgroßer Skulpturen ließen
475 Jahre nach dem Sturz der radikalen Religionsbewegung
die dramatischen Ereignisse des Sommers 1535 wiederaufleben.
Und "Jacko" (Tarek Naboulsi) schaute sich den Mix aus Performance und Installation -
stilecht bekleidet mit schwarzem Glitzeranzug, Hut und Silberhandschuhen -
gemeinsam mit einigen Hundert Zuschauern an.

Da traf dann sein Hit "Beat it", natürlich inklusive Moonwalk und Griff in den Schritt,
auf Martin Luthers "Ein feste Burg ist unser Gott" und "Heal the world" auf
den Endzeitwahn der Wiedertäufer.
Dazu spielten die Schüler szenenartig verschiedene Ereignisse aus dem 16.
Jahrhundert nach, bejubelten in ihren zeitgemäßen Kostümen die kruden Glaubensparolen
wie heute Musikfans die Lieder ihrer Stars. Es wurde gekrönt und niedergekniet,
für die Vielweiberei geworben und am Ende abgeschworen.
Angereichert all das mit Spezialeffekten;
zu einem Historiendrama gehören schließlich auch Rauchschwaden und
drohender Kanonendonner.

"Glückwunsch, ganz toll." "Großartig." Kaum, dass die erste von zwei Aufführungen nach
rund einer dreiviertel Stunde beendet war,
drückten die ersten Zuschauer Michael Rickert die Hand.
Der Künstler und Kunstlehrer des KvG hatte die Idee zu "Der König von Münster".
Sein erstes Fazit: "Noch nicht perfekt, aber wir sind auf dem Weg."
Und Rickert betonte, dass es sich nicht um ein klassisches Schauspiel gehandelt habe,
sondern um so etwas wie Collagen, die zusammengefügt worden seien zu einem Ganzen.
"Jeder hat praktisch vorher für sich geprobt und gearbeitet."
Das ging seinen Worten zufolge nicht ohne "viele kleine Katastrophen und Tränen" ab.
Gleichwohl hätten die Schüler, beteiligt waren die Jahrgänge 10 bis 12,
zäh an dem großen Vorhaben festgehalten. "Allein das ist schon toll."

Und der King of Pop in Person von Tarek Naboulsi? Er gab kein Kritikerurteil ab.
Aber er sagte, dass ihm die Geschichte irgendwie bekannt vorkam.
"Auch ich habe versucht, mir mein Paradies zu bauen - die Neverland Ranch."


von Paul Meyer zu Brickwedde
Westfälische Nachrichten
26.06.2010
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