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Presse
Der König nimmt Formen an
Münster-Hiltrup - Die ersten Skulpturen hatten noch eine handliche Größe.
Maximal 20 Zentimeter. Jetzt werden sie zehn mal so groß und erreichen die volle Lebensgröße.
Eine skurrile Truppe ist das, die im Kunstkeller des
Kardinal-von-Galen-Gymnasiums stetig wächst und Ende kommender
Woche das Licht der Öffentlichkeit erblickt.

50 Gipsfiguren werden es am Ende sein, die für die Installation und
Inszenierung "Der König von Münster" am 25. Juni aus Pappmaschee gefertigt werden.
"Ihr kennt das Abgabedatum", treibt Kunsterzieher Michael Rickert seine Schüler zur Eile an.
"Wie ihr es macht, ist mir egal. Entscheidend ist, dass ihr rechtzeitig fertig seid."

Im Zentrum stehen Jan van Leyden und die anderen Wiedertäufer von Münster,
der Hofstaat des Königs von Münster, mehr als ein Dutzend Nebenfrauen und auch jede Menge Volk.
Allein diese Szenerie vor der Lamberti-Kirche verspricht vielversprechend zu sein.
Und dann gibt es auch noch Inszenierungen, bewegte Bilder und Musik.

Die lebensgroßen Gipsfiguren sind ein wahres Mammutprojekt.
"Eine lebensgroße Plastik zu machen, zählt zu dem schwierigsten Aufgaben im
bildnerischen Bereich!", weiß Rickert und lobt das Engagement und das
Können der Schüler bereits während des Entstehungsprozesses der
Skulpturen in den höchsten Tönen.

Die Kerntruppe ist natürlich - der Leistungskurs.
Wie Lara Hirsch, die van Leydens Hauptfrau Divara befasst ist, erläutert,
arbeiten die Mitglieder des Leistungskurses an dem Hofstaat und den Hauptpersonen.
Zunächst wurden die Rumpfe der Figuren grob aus Kaninchendraht geformt.
"Ein wahrer Kampf", merkt Lara Hirsch an. Das Biegen und Formen des Drahts habe
bei allen Schülern blutige Kratzer an den Unterarmen verursacht.
Um die späteren Proportionen richtig zu wählen, war es zudem erforderlich,
eine Gesichtsmaske aus Gips, die jeder Schüler vorher gestaltet hatte,
an dem Rumpf anzubringen.

Daran wurden sodann die Extremitäten sowie Accessoires befestigt,
die ebenfalls aus Draht geformt sind. In einem letzten Schritt werden alle Figuren mit
weißen Toilettenpapier eingehüllt und verklebt, um ein einheitliches Erscheinungsbild zu schaffen.
Lara Hirsch: "Es war ein langer Weg von der ersten Skizze bis zur fertigen Skulptur."

von Michael Grottendieck, Hiltrup
Westfälische Nachrichten
16.06.2010
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