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Performance
Rückblick auf einen Kultur-Hype
Eine Woche "Der König von Münster"
Juni 2010. Die 25. Kalenderwoche. Der Jahrhundert-Sommer macht sich breit.
Sonnig und heiß. Die Westfalen-Metropole Münster am Vorabend des 475.
Jahrestages zur Niederschlagung des Wiedertäuferreiches. Und das Kardinal-
von-Galen-Gymnasium Münster präsentiert "Der König von Münster".

Es begann mit der Wissenschaft. Der renommierte Kirchengeschichtler Prof. Dr. Dr.
Hubertus Lutterbach hielt im Rahmen der Festwoche einen Vortrag. Der Ort: die
Dominikaner-Kirche an der Salzstraße. Mehr als 200 Zuhörer füllten die Kirche.
Unter Renaissance-Klängen an der Orgel (gespielt von Frank Bennemann) betrat
der Festredner Prof. Lutterbach begleitet von sieben Schülerinnen und Schülern in
Renaissance-Kleidung die Kirche.

Es war ein Vortrag zu hören, der Allen, die das Vergnügen hatten, ihn zu hören, wohl
lange im Gedächtnis bleiben wird. Lutterbach, alles Andere als ein knochentrockener
Professor, sondern agil, bisweilen humorvoll und immer spannend, erzählte von einer
Zeit, in der in Münster Dinge geschahen, die bis dato Münster einzigartig machen.
Minutenlanger Applaus beendete diesen grandiosen Einstieg in unser Täufer-
Szenario.

"Was gibt es am Freitag für ein Wetter?" Das war die Frage der Fragen, denn unser
Vorhaben sollte unter freiem Himmel stattfinden, bei welchem Wetter auch immer.
Und wie wir in den Nachfolgetagen erfuhren, an denen die Temperaturen
Höchstmarken erklommen, war es das denkbar beste Wetter für unsere Darbietung.
Sonnig aber nicht zu heiß. Also hatte es Einer schon mal gut mit uns gemeint.

Als die drei nagelneuen, blitzsauberen Gelenkbusse der Stadtwerke Münster mit der
Aufschrift: "König von Münster" sich auf dem Schulplatz einrangiert hatten, war
spätestens dem Letzten der Beteiligten klar, dass damit ein sehr ungewöhnlicher
Tag anbrach, einer, den wohl die wenigsten der Schülerinnen und Schüler
vergessen werden.

Nach einigen Querelen beim Einpacken der Figuren, beim Verstauen des
Equipments und der 161 Akteure ging es in die Innenstadt von Münster. Passanten,
die einen Blick auf die Busse warfen, blieben erstaunt stehen, wiesen mit den
Fingern, waren verblüfft. Der König fährt Bus?

Auf dem Prinzipal-Markt angekommen, lief der Aufbau mit einer professionelle
Routine ab, so dass in kürzester Zeit die Installation stand, und unser Quartier im
Pfarrheim der St. Lamberti-Gemeinde bezogen war. Dr. Anja Stiglic war bereits da,
hatte die Organisation fest im Griff. Auch Frank Bennemann hatte mit den
Toningenieuren schon die ersten Absprachen getroffen, so dass die Stellproben
zügig von statten gingen.

Dr. Claudia Gremmler eilte von Grüppchen zu Grüppchen, denn die Anspannung und
die Nervosität stiegen dramatisch an, als sich die Zeit der ersten Aufführung um
14:30 Uhr näherte, die - wie keiner zuvor wusste - die eigentlich Generalprobe der
Performance war. Denn tatsächlich wusste keiner, weder die Lehrer noch die
Schüler, was dabei passieren würde. Das ist gerade das Besondere an dieser Kunst
"Performance", dass niemand vorher weiß, was letztlich geschehen wird. Im
Zusammenspiel der Künste - der Literatur, der Musik, der Rezitation, des Tanzes,
der bildenden Kunst - entwickelt diese Kunstform ihre spezielle Eigendynamik und
ihre Qualität.

Also: Unsere Kollegin Frau Dr. Gremmler war für das Seelenleben vieler Akteure
dringend nötig!

Allein die Generalprobe vor mehreren Hundert Zuschauern war es wert gesehen zu
werden. Der Szenen-Applaus und die sichtliche Steigerung der Spiellust waren
Beweis für den Erfolg. In die Aufführung hinein platzte ein TV Team des WDR, das
für eine weitere Steigerung der Unruhe und Nervosität führte.

Die technischen Probleme der ersten Aufführung waren rasch erkannt und noch
schneller beseitigt. Dr. Claudia Gremmler und Dr. Anja Stiglic korrigierten die
Handlungsabläufe mit ruhiger Hand, Frank Bennemann griff noch einmal in die
Choreographie und in die musikalischen Vorführungen ein und dann war es endlich
Zeit für die eigentliche Performance. Glockenschlag 16 Uhr begann die Aufführung.

In Zehner-Reihen drängten sich etwa 1.000 Zuschauer, als Kanonendonner in
brachialer Lautstärke die Scheiben des Prinzipalmarktes klirren ließ, und
Pulverdampf die Szene vernebelte. Michael Jackson, perfekt gedoubelt vom Ahauser
Gymnasiasten Tarek Naboulsi, betrat die gespenstische Szene der Installation aus
fast 50 leichenblassen Mitgliedern des Hofstaates Jan van Leidens, des König von
Münster. Dass es gelang, dieses tänzerische Talent für diesen Tag zu gewinnen, ist
den Schülerinnen unserer Schule zu verdanken, die durch Kontakte in ihren Tanz-
Companies den Tänzer ausfindig machen konnten. Tarek tanzt in acht Formationen!

Dass mit dem dramatischen Sopran, der Diva Schnegelsiepen-Sengül, ein pointierter
Beitrag zur Gesamtgestaltung auftrat, hat sicherlich manchen verwundert. Dass es
aber so etwas wie Ironie gibt, und das sogar noch in der Kunst, war zwar etwas
gewöhnungsbedürftig, machte aber den Reiz des Besonderen aus - und die Kunst
ist immer etwas Besonderes, sonst wäre sie auch keine Kunst.

Alles lief ab wie am Schnürchen. Tosender Applaus beendete ein Fest für die Ohren,
die Augen, den Verstand. Niemand der Beteiligten hätte zuvor eine solche
Perfektion im Ablauf, eine solche Freude am Spiel, eine derartige Leidenschaft in
der Musik und im Tanz erwartet. Alles das ist zu sehen im Film, der unter der Regie
von Florian Jungermann und weiteren sieben Schülern aus dem Team des Video-
BOB gedreht wurde. Wirklich beschreiben, was während der Performance ablief, ist
angesichts der Fülle der Einzel-Darbietungen kaum möglich. Das Filmdokument
erlaubt es, Details wahrzunehmen. Also sollte man sich unbedingt Florian
Jungermanns DVD ansehen.

Von den meisten Schülerinnen und Schülern unbemerkt endete diese furiose
Kulturwoche mit einer Vernissage in der Galerie von Dr. Schneeberger am Drubbel
in Münster.

Vor etwa 60 geladenen Gästen, zu denen ganz wesentlich die Sponsoren, aber auch
Schülerinnen und Schüler des LK Kunst 12 gehörten, eröffnete die Kulturdezernentin
des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Dr. Barbara Rüschoff-Thale, eine
Ausstellung, in der die Entwurfszeichnungen, die Ton-Modelle, Fotos der Installation
und Performance und zwei Original-Plastiken zu sehen waren. In ihrer Ansprache
machte sie deutlich, welch einen hohen Stellenwert unser Schulprojekt in der von ihr
beobachteten Kulturleistung Westfalens hat, und welchen Beispielwert es besitzt.

An diesem Punkt knüpfte der Publizist Dr. Jörg Bockow an. Er strich in seiner
programmatischen Rede heraus, welch wichtige Rolle die ästhetische Erziehung in
einer Schule der Zukunft haben sollte, um den Einzelnen in seiner Individualität zu
bestärken und in seiner jeweiligen Entwicklung zu fördern.

Zum Schluss sagen wir Danke: Allen Förderern und Sponsoren, die dieses Projekts
erst möglich gemacht haben. Zu den Förderern zählten auch der Ministerpräsident
des Landes NRW, sowie einige Banken und Unternehmen. Ein besonders herzlicher
Dank gilt unseren Schülerinnen und Schülern und dem Kreativ-Team, die in
perfekter Harmonie und professioneller Gelassenheit diese äußerst anspruchsvolle
Aufgabe für unsere Schule gemeistert haben.

"Der König von Münster" ist nicht tot, er lebt!

Wie? www.der-koenig-von-muenster.de


Michael Rickert
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