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"Wir sind eine tolle Schule"
Interview mit Michael Rickert zu dem Projekt der König von Münster
Wie sind Sie auf die Idee zu dem Projekt gekommen?

Michael Rickert: Wie man das in der Schule halt so macht. Ich bereite den Unterricht
semesterweise vor. In dem Fall suchte ich für die 12. Stufe ein Thema, das mit dem
schulinternen Curriculum abzugleichen war. Im Curriculum vorgegeben waren die
Stichworte Plastik und Skulptur. Beim Nachdenken stieß ich auf eine Ausstellung, die
in Frankfurt zu sehen war. Dort wurde eine große Installation von Figuren aus China
gezeigt. 90 Skulpturen. Alle lebensgroß. Das hat mich zu unserem aktuellen Projekt
inspiriert. Außerdem wollte ich schon seit Jahren etwas machen, das mit epochalen Dingen
zu tun hat, die sich nur hier in Münster zugetragen haben, nämlich mit den
Wiedertäufern.

Die Aufführung in der Stadt ist ein Wagnis. Noch weiß niemand,
wie das Projekt am Ende präsentiert wird


Michael Rickert: Dass die Präsentation ein Wagnis ist, darüber bin ich mir im Klaren.
Manchmal wache ich nachts schweißgebadet auf und kriege vor mir selber Angst.
Auf der anderen Seite muss ich sagen, bin ich begeistert davon, wie prächtig das
Ganze inzwischen läuft. Meine drei Kunst-Kurse, die beteiligt sind, sind sozusagen
auf Linie, wie man so schön sagt: Die Formen sind gesetzt, und die Fertigstellung ist
garantiert.

Die Hauptakteure sind die Schüler. Wie kann es gelingen,
dass diese sich unter dieser einen Idee vereinen und
gemeinsam arbeiten?


Michael Rickert: Wenn man das Projekt in der Schule erlebt, bekommt man etwas
von dem gemeinsamen Geist mit. Wenn man einmal durch die Flure und
Klassenräume geht, wo sich die Skulpturen noch in den Arbeitsphasen befinden,
kann man sehen, dass diese Arbeit in Gemeinsamkeit passiert. Wobei sich wirklich
jede Idee bisher realisieren lässt, obwohl der individuelle Anspruch sehr hoch ist. Ich
denke, es wird alle überraschen, mit was für einer tollen Leistung und hohen Qualität
wir rauskommen werden.

Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit Ihren Kollegen gekommen?

Michael Rickert: Die Kollegen, die ebenfalls am Projekt beteiligt sind, sind Kollegen,
auf die man absolut zählen kann und vor allem, mit denen ich gerne
zusammenarbeite. Interessant ist, wie schnell sich bei Allen super-kreative Ideen
entwickelt haben. Ich bin überzeugt, dass das Thema, an das alle anders
herangehen, eine ganz besondere und nachhaltige Wirkung erzielen wird. Das
gemeinsame Projekt ist eine hervorragende Klammer.

Was ist Ihr Ziel, mit dem Sie das Projekt verfolgen?

Michael Rickert: Zunächst einmal ist es etwas, was ich schon einige Male gemacht
habe: Ich starte ein Großprojekt in der Kunst. Von daher gesehen ist damit kein
singuläres Ziel verbunden, das ich verfolge, sondern ein allgemeines. Das steht im
Zusammenhang mit dem, was ich als Kunsterzieher eigentlich jeden Tag versuche.

Geht's ein bisschen klarer?

Michael Rickert: Es gibt den Begriff Spaß, den ich mit dem Erleben von Glück
gleichsetzen möchte. Wenn die Schüler innerhalb der Gruppe realisieren, was sie
sich vorgenommen haben, also eine lebensgroße Skulptur, die dann von anderen
bewundert wird, dann entwickelt sich dabei Stolz und im weiteren Sinne
Selbstvertrauen.

Außerdem wird während der Arbeit an den Figuren die Fähigkeit genau
wahrzunehmen stark ausgebildet. Wenn es den Schülern gelingt ihre Idee
konsequent zu realisieren, haben sie dabei ganz andere Fähigkeiten in der
Vorstellung entwickelt als alle anderen, die es nicht getan haben.

Möchten Sie den Bewohnern von Münster etwas Bestimmtes mit
der Aufführung sagen?


Michael Rickert: Natürlich wollen wir den Münsteranern etwas Bestimmtes zeigen! Zu
allererst: Was wir für eine tolle Schule wir sind. Das, was wir hier machen, ist wirklich
einzigartig. Ich kriege von allen Seiten die Rückmeldung, dass dieses Projekt etwas
ist, das es in der Form in dieser Stadt noch nie gegeben hat. Und dann natürlich:
Den Münsteranern eine Vorstellung von der einzigartigen Geschichte ihrer Stadt zu
geben.

Kostet es Sie Nerven, ein solch umfangreiches Projekt zu anzuleiten und den Fortgang der Arbeiten zu führen?

Michael Rickert: Es kostet nicht nur Nerven! Es kostet viel, viel Kraft. Während der
Arbeit nehme mich selbst immer noch als jugendlich wahr. Ich befinde mich aber
jenseits der Mitte der Fünfzig. Da gehen solche Aktivitäten dann doch an die
Substanz.

Hatten Sie bei der Konzeptionierung eine bestimmte Zielgruppe vor Augen, die das Projekt erreichen soll?

Michael Rickert: Ich sehe für die Schule der Zukunft, jedenfalls so wie die Politik
zurzeit läuft, sehr viele Gefahren. Vor allem eine sich immer mehr einschränkende
Möglichkeit für die Schüler, sich selbst durch ihre Arbeit und ihr Engagement
einzubringen, auch sich als etwas Besonderes zu erleben und in einer gewissen
Freiheit zu lernen. Ich hoffe, wir können mit diesem Projekt für uns selbst und für
andere deutlich machen, dass so ein Projekt wichtig, richtig und sinnvoll ist, auch als
Beispiel für eine Schule der Zukunft!

Was erhoffen Sie sich, was in den Köpfen der Zuschauer hängen bleibt?

Michael Rickert: Der König von Münster natürlich.

Welche Reaktionen erwarten Sie in der Öffentlichkeit?

Michael Rickert: Die Reaktionen in der Öffentlichkeit werden sicherlich
unterschiedlich sein. Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Leute es gut finden,
vielleicht sogar begeistert sein werden.

Wie bringen Sie das Publikum dazu,
sich für die Aufführung zu interessieren? Gibt es bestimmte
Werbe- und Marketingmaßnahmen?


Michael Rickert: Werbung, Marketing und PR liegen in den Händen von Dr. Jörg
Bockow. Das ist ein Fachmann in diesem Bereich, und er steht, was das Projekt
selbst betrifft, voll dahinter, weil er von der Qualität überzeugt ist. Jetzt, nachdem
auch Aschendorff Medien das Projekt in eine Partnerschaft genommen hat, wird
eine Werbung ablaufen, so etwas hat Münster noch nicht gesehen!

Wie konnten Sie die Geldgeber und Sponsoren von dem Projekt überzeugen?

Michael Rickert: Indem ich mir das "Maul" fusselig geredet habe. Wenn ich nicht
akquirieren könnte, wenn ich es nicht früher auch schon anderweitig betrieben hätte,
hätte ich es niemals geschafft. Es war ungeheuer aufwendig, und es war sehr
komplex, diesen Sponsoren-Pool aufzubauen. Darauf bin ich auch ein bisschen
stolz.

Haben Sie bereits Pläne, was mit den Skulpturen gemacht wird,
wenn die Aufführung in Münster gelaufen ist?
Werden sie noch an anderer Stelle ausgestellt?


Michael Rickert: Die Skulpturen werden nach Berlin gehen und dort präsentiert
werden. Davon gehe ich aus. Ich gehe auch davon aus, dass sie dort ebenfalls
bestens ankommen werden.


Das Interview führte Lukas Sandfort.
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