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Konzept
Gestalten erobern den Raum
Der lange Weg von der Skizze bis zur fertigen Plastik
Skulpturen sind in Münster ein lebendiges Thema. Seit 1977 erstmals die
internationale Skulpturenausstellung in der Stadt gezeigt wurde, hat sich die
Bereitschaft der Bevölkerung gewandelt, sich mit moderner Kunst, insbesondere mit
Skulpturen und Plastiken, mit Projekten und Installationen auseinanderzusetzen.
Mochten einstmals Richard Serras Stahlplatten vor dem Erbdrostenhof die Gemüter
der Alteingesessenen noch erhitzen, so lässt man sich in Münster inzwischen auf
derartige Experimente mit einer gewissen Neugier ein.


Allerdings ein Ensemble von Skulpturen dieser Dimension hat es in Münster bislang
noch nicht gegeben hat. Das Schulprojekt des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums
betritt Neuland. Die Installation von etwa 50 Plastiken, unter dem Titel "Der König aus
Münster" dürfte auf neugieriges Staunen und großes Interesse treffen.

Das Schulprojekt "Der König von Münster" nahm in einem Arbeitszyklus den
mühseligen Weg von der Idee über die Skizze und das Modell bis zur fertigen
Skulptur auf. Bis zur Vollendung des Ensembles mussten nämlich viele
Überlegungen angestellt und einzelne Schritte unternommen werden.

"Aller Anfang ist schwer", so lautete es auch bei dieser Arbeit, denn die erste
Entscheidungen und Festlegungen sollten die wichtigsten für den gesamten Verlauf
des Projekts werden. Wir standen als Gruppe vor einer Vielzahl von Fragen. Die
Bedeutung der einzelnen Figuren im Ensemble, die interaktive Beziehung zu den
anderen, jede Pose, die Gestik, Mimik, ja, ihr individueller Ausdruck, Kleidung und
die Wahl ihrer Frisur mussten festgelegt werden.

Erarbeitet wurden die Entscheidungen mit Bewegungsstudien, also mit zahlreichen
Skizzen und Entwürfen. Diese wurden zuvor ausführlich unter den Schülern geübt.
Abwechselnd stellten wir uns dafür im Klassenraum auf Tische und Stühle und
posierten für unsere Mitschüler, damit wir uns gegenseitig zeichnen konnten. Die
Bewegungsanalyse bildete die Grundlage unserer Arbeit. Anschließend war es
unsere Aufgabe, die gezeichneten Modelle im Maßstab 1:10 mit Ton auszuarbeiten.
Für einige Mitschüler stellte dies eine Herausforderung dar, da sich das Arbeiten mit
Ton, vor allem die Oberflächengestaltung und die Proportionen der Körperteile, als
sehr knifflig heraus stellte.

Doch die Tonmodelle waren wichtig. Sie boten die Chance, das Ensemble in einem
anschaulichen Modell zu erarbeiten. Auf einem metergroßen Maßstabsblatt des
Kirchplatzes von St. Lamberti, ebenfalls im Verhältnis 1:10, konnten die Figuren
platziert werden. Alle Beteiligten konnten sich einen genauen Überblick über die
wirklichen Verhältnisse verschaffen. Dies war, wie sich bald herausstellte, ein
notwendiger Schritt, weil darüber die Dramaturgie, das Kompositionsprinzip und der
Arbeitsbereich der Akteure, Tänzer und Dramaturgen erfasst werden konnten. So
konnten wir die Räume zu begreifen, in der sich die Performance abspielen sollte.

Nach den aufwendigen Vorarbeiten folgte schließlich die Gestaltung der
lebensgroßen Skulpturen. Den Aufbau kann man in vier Arbeitsschritte einteilen. In
der ersten Phase war es unsere Aufgabe, den Rumpf unserer Figuren grob aus
Kaninchendraht in seinen späteren Umrissen zu formen. Dieser Arbeitsschritt erwies
sich als ein wahrer Kampf, da das Biegen und Formen des Drahts viel Kraft und
Geschick erforderte. So verließ kaum ein Schüler den Kunstunterricht, ohne blutige
Kratzer am Arm und rissige, trockene Hände. Um die späteren Proportionen richtig
zu wählen, war es zudem erforderlich, eine Gesichtsmaske aus Gips, die jeder
Schülern vorher gestaltet hatte, an dem Rumpf anzubringen.

In der zweiten Phase galt es nun, Extremitäten sowie Accessoires aus Draht zur
formen und an dem Torso zu befestigen. In der darauf folgenden Phase konnten wir
mit der Grobeinfassung mit Papiermaschee beginnen. Dazu haben wir Wasser mit
Tapetenkleister zu einer klebrigen Masse angerührt. Danach haben wir Zeitungs- und
Toilettenpapierstreifen in diese Masse getaucht und schichtenweise auf die Grobfigur
aufgetragen. Den Abschluss der plastischen Arbeiten bildete die vierte Phase, in der
die Feinausbildung der Figur vorgenommen wurde. Abschließend wurde die fertige
Skulptur noch wasserfest lackiert, um auch für schlechtes Wetter gewappnet zu sein.

Rückblickend bleibt festzuhalten, dass wir während des Werdegangs unserer
Skulpturen über mehrere Wochen zahlreiche neue Eindrücke und interessante
Erfahrungen sammeln konnten. Für uns war es eine außergewöhnliche Aufgabe, an
der wir mit viel Spaß und Ehrgeiz im Kunstunterricht gearbeitet haben. Die
Präsentation des Projektes im Rahmen einer großen Performance vor den kritischen
Augen der Öffentlichkeit bildete dabei ein herausforderndes Ziel.


Lara Hirsch
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