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Der König von Münster
Eine Installation und Performance zum
Ende der Wiedertäufer in Münster
Die drei eisernen Käfige hängen noch immer am Turm von St. Lamberti. So als gelte
es auch heute die Menschen zu warnen – vor Experimenten des Glaubens, vor dem
Widerstand gegen die Obrigkeit sowie vor Heilslehren und Utopien, die die
Menschen unmittelbar in eine neue Unfreiheit führen.


Die Käfige erinnern an das blutige Ende der Wiedertäufer, die in den Jahren 1534/35
in Münster das "Neue Jerusalem" errichteten, um auf das Ende der Welt zu warten.
Durch Verrat und religiöse Verblendung endete das Experiment blutig. Der
Terrorstaat des Jan van Leiden wird grausam niedergeschlagen.

"Der König von Münster", so nennt sich die Installation und Performance, mit der
rund 161 Schülerinnen und Schüler der zehnten, elften und zwölften Jahrgangsstufe
des bischöflichen Kardinal-von-Galen-Gymnasiums Münster auf dem Kirchplatz von
St. Lamberti die Zeit der Wiedertäufer in eindrucksvollen Bildern auferstehen lassen
wollen. Die Aufführung findet am 25. Juni 2010 statt, just am jenem denkwürdigen
Datum, an dem sich das blutige Ende der Wiedertäufer von Münster zum 475sten
Male jährt.

Idee und Realisation des fantastischen Schulprojekts stammt von dem Künstler und
Kunsterzieher Michael Rickert. Das Kreativ-Team besteht darüber hinaus aus Dr.
Claudia Gremmler, Dr. Anja Stiglic und Frank Bennemann, die mit der Schülergruppe
die Performance ergänzen. Gemeinsam mit ihren Schülern entwickelten sie das
Konzept und die Dramaturgie für die Aufführung.

Die Zuschauer werden auf dem Lamberti-Kirchplatz von einem beeindruckenden
Ensemble lebensgroßen Skulpturen erwartet. Es besteht aus etwa 50 Figuren, die
die Schülerinnen und Schüler in monatelanger Arbeit in Grund- und Leistungskursen
Kunst erarbeitet haben. Jede einzelne Figur und Personengruppe wurde zuvor
minutiös in Skizzen entworfen, dann als Modell im Maßstab 1:10 aus Ton modelliert.
Zum Schluss entstanden die Skulpturen aus Papiermaché, die auf dem Kirchplatz
zum Einsatz kommen.

Im Zentrum der Installation halten Jan van Leiden und seine Hauptfrau Divara Hof.
Umgeben ist der König von Münster von Personen und Personengruppen. Sie stellen
den Hofstaat sowie Bürgerinnen und Bürger des damaligen Gottesstaates dar. Die
Figuren stehen zueinander in Verbindung. Sie erzählen eine Geschichte. Die Zeit
von damals scheint stehen geblieben zu sein – so als wenn die heiße Vulkanasche
von Pompeji 1534 auf Münster niedergegangen wäre und das Leben von damals
festgehalten habe.

In der Performance werden die Skulpturen scheinbar zum Leben erweckt: Einzelne
Schülergruppen – in zeitgenössische Kostümen gekleidet – lösen sich aus dem
Ensemble und spielen dramatische Szenen, singen und tanzen. Musik der
Renaissance erklingt.

Seinen Ausgang nimmt die Performance mit einer ebenso gewagten wie
provozierenden Gegenüberstellung: Der "König von Münster" wird mit dem "King of
Pop", Michael Jackson, konfrontiert. Dies zeigt eine verblüffende Verbindung auf. Der
Todestag von Michael Jackson jährt sich wie die Niederschlagung des Täuferreiches
an diesem 25. Juni.

Während der Performance tritt auch die bekannte Opernsängerin Sigrid
Schnegelsiepen-Sengül auf. Sie singt Arien aus der Oper "Le Prophète" von
Giacomo Meyerbeer und verleiht dem Aufzug eine überaus überraschende
Komponente. So wird das bunte und facettenreiche Spektakel zu einem Lehrstück im
besten Sinne.

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