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Das Finale
Schule macht glücklich
Kardinal-von-Galen Gymnasium präsentiert
die Installation "Der König von Münster"
Die Installation aus lebensgroßen Figuren vor der Lambertikirche in Münster ist
nur ein Teil des Schulprojekts "Der König von Münster" unter der Leitung von
Künstler und Lehrer Michael Rickert. Das
KvG Gymnasium möchte an die Schreckensherrschaft der Wiedertäufer erinnern und
ein Beispiel für die innovative Schule von morgen setzen.
Münster ist bereits im Königsfieber, nun bewirbt die Schule sich um
den Preis "Kinder zum Olymp" aus den Händen des Bundespräsidenten.

Idee (griechisch "Ideîn" : sehen, wahrnehmen, erkennen)
Am Anfang steht die Idee. Die Idee, eine neue Art der Wahrnehmung zu schaffen
in einer Welt, die sich zunehmend zweidimensional vor dem PC, Laptop oder
wahlweise dem Fernseher abspielt.
Kunsterzieher Michael Rickert nimmt seinen aussterbenden Beruf wörtlich.
Er möchte nicht nur lehren, sondern erziehen, erziehen zu "sehen".
Kunst solle auch für die junge Generation greifbar sein, anregen,
verwirren. Wird er nach der Idee für sein Projekt gefragt, heißt es:
"Es ist schließlich mein Beruf Ideen zu entwickeln." Es ist eine Berufung.

Inspiration für den selbst wirkenden Künstler hat die historische Altstadt
der lebenswertesten Stadt der Welt Münster en masse zu bieten.
Seiner Phantasie freien Lauf lassen, kann man jedoch vor allem beim
Anblick der drei Eisenkäfige an der Lambertikirche. Grausige Phantasien sind das.
Ein Zeitsprung von 475 Jahren führt in das noch weitgehend mittelalterliche Münster,
welches von der Reformation gespalten ist und
in der Wiedertäuferbewegung neuen Glauben findet.
An der Spitze der radikalen Reformer stand Jan van Leiden,
ein nicht geringer Weiberheld mit polygynem Harem, der die Münsteraner auf das
kommende Ende der Welt und die Erscheinung Jesu Christi vorbereitete.
Indem er sie taufte, "wiedertaufte".
Es sollte eine heilige, gleichgestellte Gemeinschaft entstehen - es kam aber zu Brutalität,
Hungersnötigen und Vielweiberei. Der selbstgekrönte "König von Münster"
Jan van Leiden wurde nach Zerschlagung des Täuferreichs am 25. Juni 1535 umgebracht
und zur Abschreckung in einem Käfig an die Lambertikirche gehängt.

Nun wurde der "König von Münster" am 25. Juni 2010,
genau 475 Jahre nach der Vertreibung der Täufer wieder zum Leben erweckt.

"Arbeit macht glücklich" (philosophische Überlegung)
Wenn Arbeit wirklich glücklich macht, dann ist es kein Wunder,
dass die 160 mitwirkenden Schüler/Innen des KvGs aus Münster mit der Sonne um
die Wette strahlten, als am 25. Juni die große Installation und Performance
in der Münsteraner Innenstadt mit Applaus zu Ende ging.
Vier Monate lang hatten sie Überstunden gemacht, Freistunden genutzt und
Nachmittage geopfert, bis das Projekt auf der Bühne stand.
Der Werbefilm zum Projekt beginnt mit den Worten:
"Tief unten in den Kellern tut sich was…".
Der Betrachter wird eingesogen in ein Horrorszenario.
Ein weißer Flur, nur knapp beleuchtet, die Wände
gesäumt von lebensechten Drahtmenschen mit Gesichtern und Grimassen.
Die Gipsmasken haben die Schüler von sich selbst abgenommen und schaffen somit
eine nicht zu leugnende Verbindung zwischen
den historischen Personen und der heutigen Generation.

Mit liebevollem Fingerspitzengefühl werden Finger aus Gummihandschuhen und
Kleider aus Klopapier geformt. Mit viel Kleister hält alles,
vorausgesetzt die Statik stimmt. Die Figuren seien authentisch, so Rickert,
in Größe, Kleidung und Verhalten abgestimmt auf das 16. Jahrhundert.
Was bringt die Schüler dazu, so viel Zeit und Aufwand in die Figuren zu stecken,
abgesehen von guten Noten? Wo liegt das
Geheimrezept für jeden Lehrer? Es sei der Spaß, so Rickert, Pläne, die erst nur als Idee,
später auf Papier existieren, zu verwirklichen.
Spaß sei in diesem Fall gleichzusetzen mit dem Erleben von Glück.
"Dies ist eine Methode glücklich zu sein.", sagt Rickert selbstbewusst.

"In dem Moment, wenn wir zusammenarbeiten, haben wir das, was wir eigentlich wollen,
nämlich Qualität." (Rickert) GEMEINSCHAFT wir großgeschrieben am KvG.
Dies wird auch in dem Projekt sichtbar, welches sich von
einem Kunstprojekt zu einem Schulprojekt entwickelt hat.
Neben den Kunstkursen der ehemaligen 11.
und 12. Jahrgangstufen nehmen auch Musik-, Literatur- und Geschichtskurse teil,
die eine Performance erarbeitet haben.
In zeitgenössischer Kleidung wird die Installation in Szene gesetzt.
Van Leiden thront vor der Lambertikirche, umgeben von seinen Anhängern und dem Volk.
Von den Ideen der Wiedertäufer über die Belagerung bis zum Sturz des "Königs"
erfahren die Zuschauer einen Crashkurs in Münsteraner Geschichte.
Tanz, Gesang und bunte Gewänder stehen in einem animierenden Kontrast zu den starren,
weißen Figuren aus Pappmaché.

Stellenanzeigen suchen heute den teamfähigen Individualisten.
Eine Mischung, die gefördert werden muss, wie zum Beispiel am KvG.
Eine Parallele: Jede historische Figur in diesem Projekt ist einzigartig,
erzählt ihre individuelle Geschichte, und doch steht sie mit anderen im Zusammenhang.
Gemeinsam erzählen sie die Geschichte von Münster.

Nach der erfolgreichen Performance vor der Ludgerikirche folgte eine Ausstellung
der vorherigen Skizzen und Tonfiguren in der Galerie Schneeberger in Münster,
wo das Zusammenspiel von "Lehren und Erfahrung, Aktion und Emotion" des Projektes
von der Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale und
Dr. Jörg Bockow gewürdigt wurde.
Als Nächstes geht die Installation am 5. Oktober 2010 in die
Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherungen in Münster,
und danach geht die Reise der Figuren hoffentlich weiter bis nach Berlin.

Lexikon "Atmosphäre": gleichbedeutend mit "Stimmung" oder "Aura"

Was ist das Besondere am KvG? Die meisten Besucher sagen,
es sei die besondere Atmosphäre an der
Schule. Dies mag daran liegen, dass es sich
um ein privates bischöfliches Gymnasium handelt,
wo Religion bis zur 12. Stufe Pflichtfach ist.
Vielleicht liegt es auch an den engagierten Lehrern, einen davon, ein "Urgestein",
haben sie in dem Artikel bereits kennengelernt. Oder liegt es an besonderen Projekten,
wie dem "König von Münster", die das Denken und die Gemeinschaft der Schule prägen?
Projekte, welche das Lernen hier zu einem Erlebnis und Schule
zu einem Ort werden lassen, der glücklich macht. Die Erkenntnis bleibt:

"Wir sind etwas Besonderes und ich hoffe, dass wir es bleiben." (Rickert)

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.


Anne Stock, Schülerin des 12. Jahrgangs
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